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14.09.2026 • Revier & Praxis

Der Perfektionist

Für viele Schützen zählt der Treffer. Für Ko van Gent zählt, wie er zustande kommt.

„Ich will der Beste der Welt werden.“ Wer diesen Satz hört, erwartet vielleicht einen lauten Selbstdarsteller. Stattdessen sitzt einem ein ruhiger Niederländer gegenüber, der über Landwirtschaft, Jagd und Wurfscheiben spricht und genau weiß, was er will. Ko van Gent reist zu Wettkämpfen, um zu gewinnen. Wer ihm einige Minuten zuhört, merkt schnell: Hier steht keiner, der zufällig erfolgreich geworden ist. Hier steht jemand, der konsequent an seinen Schwächen arbeitet und sein Ziel nie aus den Augen verliert.

Der Jagdschüler wurde zum Lehrer
Noch bevor Ko van Gent die ersten großen Wettkämpfe gewann, stand er bereits als Trainer auf dem Schießstand. Vielleicht erklärt das, warum er jeden Schuss zerlegt wie ein Mechaniker ein Uhrwerk. Es begann eher zufällig. Als junger Jäger wollte er ursprünglich seine jagdlichen Fähigkeiten verbessern. Doch dann wurde er angesprochen, ob er nicht als Coach arbeiten wollte. Von da an verbrachte er mehr Zeit auf dem Schießstand und schoss automatisch auch selbst mehr. Aus ein paar zusätzlichen Trainingsrunden wurden erste Wettkämpfe. „Manche großartigen Schützen können nicht erklären, warum sie treffen“, sagt er. „Ich bin den umgekehrten Weg gegangen.“ Diese Denkweise prägt ihn bis heute. Jeder Treffer wird analysiert, jeder Fehlschuss hinterfragt. Nicht aus Frust, sondern aus dem Wunsch heraus, besser zu werden. Für Ko ist jede Scheibe eine Lektion. Zerfällt sie nicht sauber, beschäftigt, was er hätte besser machen können.

Diese Hartnäckigkeit zahlte sich zuletzt eindrucksvoll aus. Innerhalb von 24 Stunden stand Ko van Gent gleich zweimal im Shoot-off um den niederländischen Meistertitel. Am Samstag gewann er Sporting. Am Sonntag kämpfte er im Compak Sporting erneut bis zur letzten Wurfscheibe, wieder gegen seinen Freund und Trainingspartner Frank Hasekamp. Diesmal wurde er Zweiter. „Dieses Wochenende werde ich nicht vergessen“, ist sich Ko van Gent sicher.

Zwischen Wettkampf und Weizenfeld
Auch beruflich lebt der 25-Jährige vom genauen Hinsehen. Statt Wurfscheiben kontrolliert er den sachgerechten Einsatz von Pflanzenschutzmitteln in der Landwirtschaft für die niederländische Regierung. Landwirtschaft kennt er nicht aus Aktenordnern, sondern er hat sie studiert und weiß, mit welchen Herausforderungen viele Betriebe täglich umgehen. Vielleicht erklärt genau das seine bodenständige Art.

Auch die Jagd spielt in seinem Leben weiterhin eine zentrale Rolle. Die Leidenschaft wanderte vom Großvater zum Vater und schließlich zu ihm. Dabei geht es ihm nicht um das Erlegen von Wild. Viel wichtiger sind oft die Momente dazwischen: ein Rehkitz auf einer Wiese, Gänse im Morgenlicht oder Wildschweine am Feldrand. Für Ko gehören solche Augenblicke genauso zur Jagd wie das Ziehen des Abzugs. „Dann genieße ich einfach den Moment.“ Diese Haltung verbindet ihn mit vielen Jägern: Verantwortung, Respekt und die Fähigkeit, die Natur auch ohne einen Schuss zu genießen.

Das Problem mit den Zahlen
Seine größte Konkurrenz steht manchmal nicht hinter ihm, sondern zwischen seinen Ohren. Immer dann, wenn er anfängt zu rechnen. „Wenn ich weiß, dass die letzten beiden Scheiben mir die perfekte Runde bringen würden, denke ich darüber nach. Das ist wahrscheinlich mein größtes Thema im Kopf“, gibt er zu. Jeder Sportschütze weiß, wie gefährlich das sein kann. Wer zählt, verliert leicht den Fokus auf die nächste Wurfscheibe. Daran arbeitet Ko, weil er weiß, dass auf höchstem Niveau oft Kleinigkeiten über Sieg oder Niederlage entscheiden.

Freiheit, Glück und die nächste Scheibe
Fragt man Ko van Gent, was Schießen für ihn bedeutet, denkt er nicht lange nach. „Freiheit.“ Dann ergänzt er: „Freiheit und Glück.“ Vielleicht ist das der Grund, warum wir von Ko noch viel erwarten können.

 

Text: Alexandra Berton; Fotos: Alexandra Berton, Stephanie Göhrig

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