23.07.2026 • Wild & Natur

Natürlich clever

Blaser unterstützte 2025 die erste „Kids in Nature“-Konferenz in Dänemark. Internationale Teilnehmer diskutierten Herausforderungen, tauschten wissenschaftliche Erkenntnisse aus und stellten erfolgreiche Beispiele für gelungene, naturnahe Bildungsmaßnahmen vor.

Draußen besser lernen?
Wild jagen, zubereiten und dann gemeinsam am Lagerfeuer essen? Was für dänische Kinder zum Schulalltag gehören mag, ist in Deutschland kaum vorstellbar. Doch gerade solche Interaktionen schaffen eine Beziehung zur Natur, die durch Waldspaziergänge allein niemals möglich wäre. „Wer Teil des Naturkreislaufs ist, kann ein besseres Verständnis für seine natürliche Umgebung entwickeln“, sagt Karen Barfod, Leiterin der Forschung im Bereich Outdoor-Studien am VIA University College, „sich zu engagieren bedeutet, dass man die Natur intensiver erlebt und folglich mehr respektiert.“ Seit mehr als 20 Jahren unter sucht sie, wie wichtig es ist, die Natur in Bildungsprozesse und Lernaktivitäten im Freien einzubeziehen. „Heute wissen wir, dass Outdoor-Bildung viele Vorteile für Kinder hat“, erklärt Karen Barfod. „Die Bewegung und die gemeinsamen Erlebnisse, die alle Sinne ansprechen, schaffen ideale Voraussetzungen, um den Lernerfolg aller Schüler zu steigern.“ Sie betont, dass das Lernen im Freien nicht auf die Naturwissenschaften beschränkt sein muss: „Oft steigt der Lernerfolg auch in anderen Fächern, weil die Kinder konzentrierter sind und das Thema oft buchstäblich ‚begreifen‘ können.“

Ihre Forschungsergebnisse stießen auf der Konferenz „Kids in Nature“ auf großes Interesse, denn die Integration der Natur in schulische Aktivitäten ist nicht überall so einfach wie in Dänemark. Dort dürfen beispielsweise einzelne Lehrer entscheiden, ob sie mit ihrer Klasse Unterricht im Freien abhalten. „Wir sind vielleicht nicht so sicherheitsbewusst wie einige andere Länder“, erklärt Karen Barfod die größere Bereitschaft, Unterricht außerhalb des Klassenzimmers abzuhalten, „und wir haben mehr Vertrauen, dass Kinder im Freien zurechtkommen.“

Natur macht neugierig
Während Schüler ohnehin offen für den Aufenthalt im Freien sind, können es oft die Lehrer sein, die Vorbehalte haben, das Lernen im Freien regelmäßig in ihren Unterricht zu integrieren. „Dann unterstützen wir sie gerne mit geeigneten Lehrmethoden, um das Lernen draußen effektiv zu gestalten“, betont Karen Barfod und gibt später praktische Einblicke, wie man in der Natur mit einem Seil die Schüler verbinden und einen geeigneten Rahmen für strukturierte Kommunikation schaffen kann. Einfach und effektiv. Dänemark hat sogar einen eigenen pädagogischen Ansatz namens Udeskole, der sich auf das Lernen außerhalb des Klassenzimmers während der regulären Schulzeit konzentriert. Studien aus den letzten Jahren bestätigen, dass sich das Konzept nicht nur positiv auf das mathematische Verständnis und die Lesefähigkeiten auswirkt, sondern auch das naturwissenschaftliche Lernen unterstützt und die Neugier der Schüler fördert.

 

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Naturschützer-Nachwuchs gesucht
Der dänische Jagd- und Fischereiverband arbeitet seit Jahren im Rahmen des Projekts „Natürlich clever“ daran, möglichst vielen Kindern die Möglichkeit zu geben, Natur zu erleben und damit die Grundlage für ein besseres Verständnis der Naturkreisläufe zu schaffen. Die Initiative bietet zwei wichtige Ressourcen: eine Plattform, die Pädagogen mit ehrenamtlichen Naturführern zusammenbringt, und eine Sammlung von Unterrichtsmaterialien. Für Franz Holmberg vom Dänischen Jagdverband ist diese Zusammenarbeit zwischen Naturverbänden und Schulen eine wichtige Voraussetzung für die nachhaltige Nutzung unserer natürlichen Ressourcen in der Zukunft. „Wir brauchen Naturschützer, die die Bedürfnisse der Natur aus eigener Erfahrung kennen und verstehen“, sagt Franz Holmberg und fügt hinzu: „Wildtiere sind eine erneuerbare Ressource, die wir durch die Jagd nutzen, und wir wollen die Jagd ehrlich und unverblümt darstellen, damit Kinder und Jugendliche sich auf der Grundlage von Fakten eine eigene Meinung bilden können.“

Die Akzeptanz der Jagd in Dänemark beweist, dass Pädagogen und Naturschutzorganisationen auf dem richtigen Weg sind. Das nordische Land erzielt Traumwerte: Rund 90 Prozent der Bevölkerung befürworten die Jagd in Dänemark – obwohl nur drei Prozent der Dänen jagen.

Dänische Inspirationen
Nach zwei Konferenztagen nehmen die Teilnehmer aus Europa und den USA viele Ideen mit nach Hause. „Wir können das nicht 1:1 umsetzen“, sagt Ronja Stöckli von JagdSchweiz, „weil unsere Bedingungen zu unterschiedlich sind, aber die positiven Beispiele und Ideen inspirieren uns, das Thema auch für die Schweiz weiterzuverfolgen.“ Der dänische Jagdverband hat bereits sein nächstes Projekt angekündigt: „Zeit für einen Ausflug – Der schnelle Weg für Familien in die Natur“, eine Zusammenarbeit mit der Dänischen Gesellschaft für Naturschutz, dem Dänischen Sportfischereiverband und mit Unterstützung der Aage V. Jensen Natur-Stiftung. „Viele Eltern würden gerne mehr Zeit mit ihren Kindern in der Natur verbringen, fühlen sich aber nicht ausreichend darauf vorbereitet“, sagt Franz Holmberg. „Die Initiative ‚Zeit für einen Ausflug‘ hilft dabei. Unser Ziel ist, Kindern und ihren Familien das gemeinsame Erleben der Natur zu erleichtern!“

 

Text: Alexandra Berton, Fotos: Alexandra Berton, Jonas Nørregaard, @JonasOutside.

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