Wintertraum vom schwarzen Gold
Gemeinsam mit dem norwegischen Jagdexperten Jon Steinar Vangen wollten mein Kollege Jørn Bakken, ein Fotograf und ich ein Wochenende lang auf Auer- und Birkhahn pirschen. Weder Jørn noch ich hatten bislang einen Auerhahn erlegt, oft auch als Schwedens schwarzes Gold betitelt. Wir waren bereit für das Abenteuer.
Die Winterjagd auf Auer- und Birkhahn ist immer eine sehr kalte Unternehmung. Zumindest dann, wenn die Voraussetzungen für einen Jagderfolg ideal sein sollen. Dazu gehören Schnee, wenig Wind, gefrorene Bäume und Temperaturen von minus 10 Grad oder kälter. Dann verhindert die gefrorene Schneedecke, dass die Raufußhühner in den Schnee eintauchen und sich dort verstecken können. Ist es zu windig oder zu warm, sind Auer- und Birkhahn zudem nicht auf den Wipfeln zu finden. Dieses Mal erwarteten die Jäger jedoch eisige Temperaturen von minus 20 Grad auf der Raufußhühner-Jagd im Januar in Schweden. Grenzwertige Bedingungen für eine erfolgreiche Pirsch. Eine äußerst sorgfältige Vorbereitung und zuverlässige Ausrüstung entscheiden über den Jagderfolg.Wo
Erfolgsfaktor 1: eine sorgfältige Planung
Mit drei angesetzten Jagdtagen ist das Projekt durchaus als ehrgeizig zu bezeichnen. Denn mit einer Gruppe von vier Personen nahe genug an die Raufußhühner heranzupirschen, um einen Schuss zu wagen, ist anspruchsvoll. Der Schlüssel zum Erfolg ist ein guter Plan. Wir teilen uns in zwei Gruppen auf, um unsere Chancen, einen Auer- oder Birkhahn zu finden, zu verdoppeln. Mit Blick auf das Terrain planen wir sorgfältig unsere Routen. In dem Gebiet liegen viele moorige Abschnitte, umgeben von Kahlschlägen und älteren Wäldern. Hier ist die Wahrscheinlichkeit, auf Raufußhühner zu treffen, am höchsten. Wer das Gebiet nicht so gut kennt, kann sich auch mit Hilfe von Satellitenkarten vorab ein Bild davon machen.
Der erste Jagdtag startet mit einem Winterwald, der sich für uns in einem perfekten Weiß herausgeputzt hat. Es ist windstill, aber die minus 20 Grad sind nicht gerade ideal, um Raufußhühner in Anblick zu bekommen. Trotzdem genießen wir die Sonne und den eisblauen Himmel, welche die Landschaft den Tag über in ein Wintermärchen verwandeln. Die Jagdwaffen sind sicher in den Rucksäcken verpackt, Ski angeschnallt und los geht‘s. Der Schnee ist tief, sehr tief. Manchmal scheint die schiere Schneemenge beinahe überwältigend, doch die breiten Ski und die oberste Puderschicht des Schnees helfen uns, geräuschlos durch das Terrain zu gleiten. Immer wieder glasen wir unsere Umgebung ab, um einen Auer- oder Birkhahn auf den Wipfeln auszumachen.
Doch es sollte einige Stunden dauern, bis wir Anblick bekamen. Als zunächst schwarze Punkte am Horizont waren die Auerhähne vergleichsweise leicht in den schneebedeckten Bäumen auszumachen. Zumal es sich gleich um eine Gruppe handelte! Optimismus und Aufregung schwappten über die Gruppe hinweg. Unsere erste Chance. Nun müssen wir in Schießdistanz kommen, ohne die Auerhähne aufzuschrecken. Dabei müssen wir uns nicht beeilen, denn während dieser kalten, kurzen Wintertage versuchen die Raufußhühner so wenig Energie wie möglich zu verbrauchen. Diese Pirsch könnte unsere einzige Chance bleiben, deshalb wollen wir sie natürlich erfolgreich nutzen. Wir bewegen uns vorsichtig am Waldesrand neben einer offenen Moorfläche entlang. Auch wenn bei dieser Art von Jagd weite Schussentfernungen durchaus üblich sind, wollen wir so nahe wie möglich herankommen. Nach einer Weile zeigt das Display des MINOX X-range 223 Meter bis zum anvisierten Baumwipfel an. Ab diesem Zeitpunkt steht uns keine Deckung mehr zur Verfügung, um noch näher heranzupirschen. Deshalb richten wir uns auf den Schuss ein. Vorsichtig bewegen wir uns in verschiedene Richtungen, um die notwendige Lücke in den Zweigen für einen Schuss zu finden. Endlich. Einmal sicher im Absehen, bricht auch schon der Büchsenschuss in 6,5x55 SE durch die Winterlandschaft. Der Auerhahn fällt dem Schnee entgegen. Vier weitere hatten mehr Glück und fliegen davon. Der erste Auerhahn unserer Gruppe liegt. Nun macht die Anspannung Platz für ein glückliches Lächeln auf allen Gesichtern.
Erfolgsfaktor 2: einsatzbereite Jäger
Der restliche Nachmittag zieht ohne nennenswerte Gelegenheiten vorüber. Einmal schrecken wir eine Gruppe von Auerhähnen auf, bevor wir einen Schuss abgeben können. Ein anderes Mal fehlt der Schütze. Der kurze Januar-Tag nähert sich seinem Ende und wir machen uns auf den Rückweg. Immerhin mit einem Auerhahn im Gepäck. Schon denken wir an das wärmende Feuer, während wir durch den Winterwald in Richtung Hütte zurückgleiten. Doch was ist das? Vor uns kommt auf einmal eine Gruppe von Birkhähnen in Anblick. Nur 87 Meter entfernt. So nah, dass sie uns leicht erspähen könnten. Also richten wir uns zügig ein. Ein Jäger lässt sich langsam zu Boden gleiten und legt die Büchse auf seinen Rucksack auf. Dieses Mal kommt er perfekt ab und ein Birkhahn macht die Tagesstrecke für uns perfekt.
Beschwingt legen wir den Rest des Rückweges zurück, um am Feuer den Tag noch einmal zu erleben. Die harten Bedingungen von bis zu minus 25 Grad sind schnell vergessen, wenn Natur und Jagd zu einem einmaligen Erlebnis werden.
Von den eisigen Bedingungen während der Auerhahn-Jagd berichtet unser norwegischer Kollege Stig Murphy.