Generationen-Glück
Generationswechsel bedeutet manchmal auch Rollentausch wie Frederic Norheimer erfahren durfte.
Früher war ich der kleine Junge, der seine Eltern auf die Jagd begleiten durfte. Der begeistert beobachtete, zuhörte, lernte und versuchte, sich von den Besten etwas abzuschauen. Heute, viele Jahre später, haben sich die Rollen ein Stück weit verändert. Aus dem Jungen von damals ist selbst ein Jagdpächter geworden. Und aus den Menschen, die mir einst die Jagd nähergebracht haben, sind diejenigen geworden, denen ich heute besondere Erlebnisse ermöglichen darf.
Eine Tradition, die weiterlebt.
Diese Geschichte ist für mich eine ganz besondere. Meine Mutter litt an einer Erkrankung, die die Beweglichkeit und Funktion der Hand erheblich einschränken kann. Gerade einmal eine Woche vor der Jagd wurde sie deshalb operiert. Für mich war deshalb schnell klar: Wenn sie auf die Jagd gehen möchte, dann mit einer Waffe, bei der ich weiß, dass sie zu ihr passt. Also gab ich ihr meine eigene Blaser K95 mit auf den Weg.
Eine Waffe, die ich selbst seit Langem schätze. Leicht, führig, ergonomisch durchdacht und mit einem Spannschieber, der sich selbst mit eingeschränkter Handfunktion gut bedienen lässt. Ich wusste, dass gerade diese Eigenschaften für meine Mutter den entscheidenden Unterschied machen würden. Denn eine Jagdwaffe muss nicht nur technisch überzeugen. Sie muss vor allem zu dem Menschen passen, der sie führt.
Der unbedingte Willen, seiner Leidenschaft treu zu bleiben.
Und dann kam dieser eine Herbstabend. Ein passender Hirsch war bestätigt. Die Bedingungen stimmten. Doch aus beruflichen Gründen konnte ich meine Mutter an diesem Abend leider nicht selbst begleiten. Als sie zu mir sagte: „Ich versuche es heute auch ohne dich und gehe mit deiner Freundin“, war das für mich bereits ein ganz besonderer Moment.
Gemeinsam machten sie sich auf den Weg zum Ansitz. Mit gegenseitiger Unterstützung, Vorfreude und der Hoffnung auf einen unvergesslichen Jagdmoment. Und manchmal sind es genau diese Abende, an denen die Jagd ihre schönsten Geschichten schreibt. Der Hirsch trat aus. Ein Moment, in dem alles zusammenkommen musste. Erfahrung. Konzentration. Und das Vertrauen in die eigene Ausrüstung. Meine Mutter nahm sich die Zeit für einen sicheren Schuss und konnte den Hirsch mit meiner Blaser K95 sauber und waidgerecht erlegen.
Ein besonderer Hirsch. Ein besonderer Mensch. Ein unvergesslicher Augenblick.
Als mich die Nachricht erreichte, war ich überwältigt. Nicht allein wegen des jagdlichen Erfolgs. Sondern wegen all dessen, was hinter diesem Moment stand. Gerade einmal eine Woche nach ihrer Operation verwirklichte meine Mutter einen ganz persönlichen jagdlichen Traum. Mit einer Waffe, die ich ihr voller Vertrauen mitgegeben hatte. Und mit dem Mut, sich trotz der noch bestehenden Einschränkungen ihrer Leidenschaft zu widmen.
Für mich persönlich war es aber noch viel mehr. Früher war es meine Mutter, die mich an die Hand nahm, mir die Jagd zeigte und mir unzählige Erinnerungen schenkte. Heute durfte ich ihr ein Stück davon zurückgeben. Und vielleicht ist genau das der schönste Teil dieser Geschichte. Genau das bedeutet Generationswechsel für mich. Nicht einfach nur Verantwortung weiterzugeben. Sondern weiterhin Erfahrungen zu teilen, füreinander da zu sein und gemeinsam neue Geschichten zu schreiben. Denn am Ende sind es nicht allein die jagdlichen Erfolge, die bleiben. Es sind die Menschen, mit denen wir sie verbinden.
Waidmannsheil, Mama! Ich bin unglaublich stolz auf dich. Und dankbar, dass wir diese Leidenschaft miteinander teilen dürfen.
Text und Fotos: Frederic Norheimer
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