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06.11.2026 • Revier & Praxis

Die perfekte Serie

Rémy Durant schießt schnell, instinktiv und erfolgreich. Wie der Belgier zum Meisterschützen geworden ist.

50 von 50. Rémy Durant erinnert sich noch genau an diesen Moment bei einer Weltmeisterschaft in Ungarn. Er hatte sich gerade mit Freunden unterhalten, als einer von ihnen zu ihm sagte: „Rémy, ich spüre, dass du voll dabei bist.“ Durant ging an den Stand, schoss locker und traf. Eine Scheibe nach der anderen. Am Ende stand die perfekte Serie: 50 Treffer bei 50 Wurfscheiben.

Die Erinnerung ist dem heute 34-Jährigen nicht nur wegen des Ergebnisses im Kopf geblieben. „Vor allem mit Freunden bleiben mir Dinge in Erinnerung, denn jeder Wettkampf ist anders und man erlebt gemeinsam besondere Momente.“ Außerdem unterstreicht Rémy: „Sportlich betrachtet geht für mich zudem vielmehr darum, wie man dieses Resultat erreicht hat. An diesem Wochenende hatte ich offensichtlich die richtige Einstellung.“ Vielleicht erzählt diese Episode mehr über Rémy Durant als eine Liste von Titeln und Platzierungen. Denn für ihn entscheidet sich Erfolg im Kopf.

Angefangen hat alles mit seinem Vater
Am Anfang nahm Durant Senior, selber Sportschütze in der Disziplin Trap, Rémy mit auf den Schießstand und kaufte seinem Sohn bald eine eigene Flinte im Kaliber .410. Damit durfte der junge Rémy zunächst auf sogenannte Rabbits schießen. Dabei handelt es sich um Wurfscheiben, die über den Boden rollen und den Lauf eines Hasen simulieren. Das machte ihm so viel Spaß, dass er mit 14 Jahren mit den Flintendisziplinen Jagdparcours und Compact Sporting startete und schon bald an Wettkämpfen teilnahm.

Die Wahl seiner Disziplinen ist auch seiner zweiten Leidenschaft geschuldet: der Jagd. Gerade Jagdparcours und Compact Sporting geben ihm die Möglichkeit, auch außerhalb der vergleichsweise kurzen Jagdsaison etwas von jener Gefühlslage zu erleben, die ihn bei der Niederwildjagd so fasziniert. Und natürlich reizt ihn der Wettbewerb. Ebenso wichtig sind ihm aber das Reisen und die Freundschaften, die durch sein Engagement im Flintensport über die Jahre entstanden sind.

Schnell. Instinktiv. Rémy.
Durchschnittlich zehn Wettkämpfe bestreitet Rémy pro Jahr. Da das Angebot in seiner belgischen Heimat eher überschaubar ist, führen ihn viele Reisen nach Nordfrankreich, in die Niederlande und nach Deutschland. Wer Durant schießen sieht, erkennt schnell ein charakteristisches Merkmal seines Stils: Geschwindigkeit. „Ich schieße tatsächlich sehr schnell. Das ist etwas, das mich auszeichnet“, sagt er. Vieles geschieht intuitiv. „Wohin meine Augen gehen, folgt meine Flinte. Dann weiß ich, dass ich schießen kann.“

Ein festes, sportliches Vorbild hat er nicht. Bewusst nicht. Zu individuell seien Technik, Persönlichkeit und Stil jedes einzelnen Schützen. Natürlich schaut auch er genau hin, wie andere gute Schützen bestimmte Wurfscheiben angehen. Er übernimmt Techniken, beobachtet Anschläge und holt sich Tipps. Doch kopieren möchte er niemanden. Rémy: „Man muss seinen eigenen Stil entwickeln.“

 

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Qualität statt Quantität
Durants Alltag ist keineswegs vollständig auf den Schießsport zugeschnitten. Beruflich arbeitet er als Bauleiter und betreut den Bau von Mehrfamilien- und Einfamilienhäusern. Mehrere Tage am Stück für das Training freizunehmen, ist deshalb kaum möglich. Sein Anspruch lautet dennoch: mindestens einmal pro Woche an den Schießstand.

Dabei zählt für ihn nicht die Menge. „Ich schieße im Training gar nicht so viel“, sagt Rémy. „Mir geht es um qualitativ gute Wurfscheiben.“ Statt möglichst viele Schüsse abzugeben, versucht er, anspruchsvolle Wettkampfsituationen möglichst realistisch nachzustellen. So hält er den Rhythmus über die Saison hinweg hoch. Auch körperliche Fitness gehört für ihn dazu. Ein Wettkampftag kann lang sein und verlangt Konzentration und Ausdauer. Doch mindestens ebenso intensiv beschäftigt sich Rémy mit der mentalen Seite seines Sports. Er liest viel über mentale Stärke, Reaktionsmuster und den Umgang mit Druck. Denn genau dort sieht er den eigentlichen Schlüssel. „Für mich ist Schießen ein Kampf gegen mich selbst“, erklärt der sympathische Belgier.

Erfolgreiches Jahr
Seit 2022 ist Rémy mit Blaser verbunden. Zunächst schoss er eine F3, 2025 folgte dann der Wechsel auf die neue Blaser FBX. Den Umstieg beschreibt er ein wenig wie den Wechsel auf ein neues Auto. Vieles fühlt sich vertraut an, manches muss neu erfahren werden. Wie reagiert die Flinte auf schnelle Wurfscheiben? Wie bewegt sie sich im Anschlag? Wie fühlt sich ihre Balance im eigenen Bewegungsablauf an?

Dass der 34-Jährige bereits zuvor mit einer Blaser F3 geschossen hatte, erleichterte ihm die Eingewöhnung. Besonders die Balance und das Handling der FBX überzeugten ihn von Beginn an. Auch der Abzug hinterließ einen exzellenten Eindruck. „Die Balance war von Anfang an top. Die Flinte liegt sehr gut in der Hand und angenehm an der Schulter“, sagt er. Und dann formuliert er es persönlicher: „Wir sind schon sehr gute Freunde.“ Dennoch weiß ein Wettkampfschütze, dass Vertrauen nicht über Nacht entsteht. Erst Training, Wiederholungen und Wettkämpfe machen aus einer neuen Flinte irgendwann die eigene Flinte.

Zwei belgische Meistertitel standen 2026 auf Rémys Wunschliste: einer im Compact Sporting, einer im Jagdparcours. Beide Ziele hat er erreicht. Beim Abschluss der Wettkampfsaison, der 22. FITASC Weltmeisterschaft im Compak Sporting in Italien, erzielte er ein starkes Ergebnis von 185 von 200 getroffenen Wurfscheiben. Sein Ziel, sich unter den besten 20 Schützen zu platzieren, hat er damit zwar nicht erreicht. Doch das versteht er eher als Ansporn, denn „man dürfe sich nicht zu lange mit einem Fehler beschäftigen. Die verfehlte Wurfscheibe ist vorbei. Die nächste zählt“, sagt Rémi und richtet bereits den Blick auf die nächste Saison.

 

Aufgezeichnet von Alexandra Berton, Fotos: Remy Durant

 

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