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09.10.2026 • Jagd & Jäger

Kopfsache

Der dänische FBX-Schütze Jonas Prip unterschätzt niemals seinen härtesten Konkurrenten: sich selbst.

Wenn Jonas Prip über das Schießen spricht, beginnt er nicht mit Medaillen, Weltmeistertiteln oder Podiumsplätzen bei Meisterschaften. Er beginnt mit seinem Vater. „Lange bevor ich alt genug war, eine Flinte zu halten, begleitete ich meinen Vater bereits auf Niederwildjagden durch die dänische Landschaft.“ Er beobachtete die Hunde, lauschte dem Flügelschlag über ihm und nahm eine Jagdkultur in sich auf, die den Verlauf seines Lebens prägen sollte. Mit zehn Jahren schoss er zum ersten Mal.

Heute, mit 29 Jahren, ist der dänische Schütze einer der angesehensten Namen im skandinavischen Wurftaubenschießen. Doch trotz eines Weltmeistertitels, mehrerer dänischer Meisterschaften und unzähliger Spitzenplatzierungen war sein größter Gegner nie der Schütze, der neben ihm stand. Es war immer er selbst. Angesichts dieser Herausforderung schätzt er besonders einen Rat, den ihm sein Vater schon früh mit auf den Weg gegeben hat: Bleib ruhig, egal was passiert. „Ohne meinen Vater wäre ich nicht dort, wo ich heute bin“, sagt Jonas.

Ein Spiel um Zentimeter. Ein Spiel des Kopfes.

Fragt man Jonas, was ihn am Schießen am meisten fasziniert, kommt seine Antwort ohne Umschweife. „Es ist die Arbeit an sich“, sagt er. „Dein Körper, Dein Geist. Wenn sich all die harte Arbeit endlich auszahlt, ist dieses Gefühl unglaublich.“ Seine persönliche Erfolgsformel ist einfach: „Achtzig Prozent sind Kopfsache. Zwanzig Prozent sind Technik.“

Das ist eine kühne Aussage von einem Schützen, dessen Technik durch Zehntausende von Patronen verfeinert wurde. In seinen intensivsten Jahren gab Jonas jährlich rund 20.000 Schüsse ab. Heute, da seine junge Familie mehr Zeit von ihm beansprucht, ist diese Zahl erheblich gesunken. Doch sein Ansatz bleibt unverändert: Selbstvertrauen steht an erster Stelle. „Ich sage mir immer, dass ich der Beste bin. Ich weiß, was ich tue.“

Das klingt fast spielerisch, doch hinter dem Humor verbirgt sich eine ernste Wahrheit. Beim Wettkampf gegen die weltbesten Schützen werden die Podiumsplätze oft durch eine einzige Wurftaube entschieden – nach vier Tagen Wettkampf! Auf Weltmeisterschaftsniveau kann ein einziger Punkt einen Teilnehmer leicht um zehn Plätze in der Rangliste nach oben oder unten verschieben. Der Unterschied zwischen einem sehr guten und einem hervorragenden Schützen? Jonas: „Die letzten drei Wurftauben."

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Vom Weltmeister zum Familienvater

Einer der entscheidenden Momente in Jonas Karriere ereignete sich 2015 bei der Weltmeisterschaft im Compak Sporting. Der Sieg brachte ihm den Junioren-Weltmeistertitel ein und war der Beginn der Partnerschaft mit Blaser, die bis heute andauert. „Doch mit einer Blaser Flinte schieße ich bereits seit 2009“, erinnert sich Jonas. Heute führt er eine FBX. „Die Balance ist fantastisch. Die Rückstoßdämpfung ist großartig, und mir gefällt besonders, wie gut sich die Flinte einstellen lässt.“ Diese sanfte, kontrollierte Bewegung ist entscheidend für Jonas’ bevorzugten Schießstil. Seine Lieblingstechnik ist der „Swing-Through“, eine Methode, die es ihm ermöglicht, ganz natürlich mit dem Ziel in Verbindung zu treten, bevor er den Schuss ausführt. „Ich gehe gerne direkt hinter die Wurftaube, spüre sie, ziehe dann durch und gebe den Schuss ab“, sagt Jonas.

Familie, Freunde und Niederwildjagd

Abseits des Wettkampfs bleibt Jonas seinen jagdlichen Wurzeln tief verbunden. Die Niederwildjagd ist nach wie vor seine größte Leidenschaft, insbesondere die Enten- und Taubenjagd. „Das ist Familientradition“, sagt er, „und dazu gehören immer gute Freunde und eine gute Zeit.“

Genau diese Werte prägen nun ein neues Kapitel in seinem Leben. Jonas und seine Frau haben zwei kleine Kinder im Alter von vier und zwei Jahren. „Die Prioritäten haben sich verschoben“, gibt er zu. „Jetzt steht die Familie an erster Stelle, dann die Arbeit und dann das Schießen.“ Nicht, dass das Schießen in absehbarer Zeit ganz in den Hintergrund treten würde. Gerade erst gewann er die dänischen DIF-Meisterschaften mit beeindruckenden 196 von 200 Wurftauben und belegte bei den dänischen Meisterschaften den dritten Platz.

Seine Pläne für die kommenden Jahre sehen bereits vor, Wettkämpfe mit Familienreisen zu verbinden und seinen Kindern den Sport und den Rhythmus näherzubringen, die seinen eigenen Lebensweg so sehr geprägt haben. Vielleicht stehen sie eines Tages neben ihm auf einem Schießstand, so wie er einst neben seinem Vater stand. Und wenn sie ihn um Rat fragen, wie man ein besserer Schütze wird? „Besorg dir eine Waffe, die perfekt zu dir passt. Dann schieß. Viel.“

 

Text: Alexandra Berton; Fotos: privat, Gunther Stoschek

 

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