05.06.2026 • Revier & Praxis

Expertentest: Blaser Rangefinder 8x32

Chris Parkin testet im niederländischen Jagdmagazin "Waidmannsheil" den Blaser Rangefinder – ein, wie er findet, ultrakompaktes, aber voll ausgestattetes Fernglas mit Laser-Entfernungsmesser.
 

Die neuesten Ferngläser von Blaser verfügen jetzt über einen integrierten Laserentfernungsmesser, inklusive Ballistik-App. Ich entschied mich für das Modell 8x32, obwohl es auch als 10x42 erhältlich ist. Gefertigt werden die Ferngläser in Deutschland, mit einem Magnesiumgehäuse, das Gewicht spart, ohne Kompromisse bei der Mechanik oder Elektronik einzugehen.

Das Fernglas wird in einer schlichten Kartonverpackung geliefert – funktional, ohne überflüssigen Schnickschnack. Im Lieferumfang enthalten sind: Objektiv- und Okularschutzdeckel, Reinigungstuch, Bedienungsanleitung, Trageriemen, Tasche, Batterie sowie ein Höhenturmring für Blaser-Zielfernrohre. Das 8x32-Modell ist mit nur 720 Gramm außergewöhnlich leicht und kompakt.

Jedes Okular lässt sich separat mit ±4 Dioptrien einstellen – laut Anleitung notwendig, da auch das interne Display individuell angepasst werden muss. Die drehbaren Augenmuscheln rasten in vier Positionen sauber ein und bleiben stabil. Sie sind vollständig abnehmbar, was die Reinigung erleichtert – ein wichtiger Punkt, da sich hier schnell Staub und Schmutz absetzen.

Der Augenabstand lässt sich zwischen 55 mm und 81,5 mm einstellen, die Austrittspupille beträgt 4 mm. In Kombination mit den verlängerbaren Objektivkappen ergibt sich ein großzügiges Sehfeld von 130 m auf 1000 m – ideal für entspanntes Beobachten. Das Gehäuse ist IPX7-zertifiziert, also wasserdicht bis 1 m Tiefe für 30 Minuten. Natürlich ist das Fernglas stickstoffgefüllt, um Innenbeschlag zu vermeiden.

Alle Bedienelemente tragen das typische Blaser-Rautenmuster für sicheren Halt. Der Fokussierring läuft mit fingerspitzenleichter Spannung, präzise steuerbar mit beiden Händen über den hinteren Brückenbereich. Mit einer Länge von nur 139 mm wirkt das 8x32 auf große Hände fast klein, liegt aber durch das geringe Gewicht und den ergonomischen Brückenbau sicher und angenehm in der Hand. Ideal für einhändige Bedienung oder den schnellen Griff in die Jacken- oder Hemdtasche und damit perfekt für Jäger, die leicht und flexibel unterwegs sein wollen.

Kachel Bild 1
Kachel Bild 2
Kachel Bild 3
Kachel Bild 4

Elektronik und Entfernungsmessung

Drei Tasten befinden sich oben auf dem Gerät: Auf der rechten Tubus die Entfernungstaste hinten und die Menütaste vorne; auf der linken Tubus eine weitere Entfernungstaste. Eine clevere Lösung für Linkshänder oder einhändige Nutzung.

Der Entfernungsmesser wird mit einer mitgelieferten CR2-Batterie betrieben, die im unteren Gehäuse in einem Schraubdeckel sitzt, der ohne Werkzeug geöffnet werden kann. Eine Batterie reicht laut Blaser für bis zu 4000 Messungen, und eine Warnung für niedrige Spannung erscheint frühzeitig.

Das 8x32 misst bis 2300 Meter, das 10x42 sogar bis 2950 Meter. Wie bei allen LRFs hängt die tatsächliche Reichweite von Reflexionsgrad und Lichtverhältnissen ab: In meinem Test konnte ich jedoch problemlos wiederholt Baumreihen auf über 1600 Meter messen, selbst bei hellem Tageslicht. Mehr als ausreichend für jede jagdpraktische Anwendung.

Die Messgenauigkeit beträgt 1 Meter bis 600 Meter und weniger als 0,5 % darüber. Ein kurzer Tastendruck aktiviert das rote Kreisabsehen, ein zweiter Druck zeigt die Distanz in Metern oder Yards. Hält man die Taste gedrückt, startet der Scan-Modus mit vier Messungen pro Sekunde. Eine beeindruckende Reaktionsgeschwindigkeit.

Das rote Absehen wird gestochen scharf dargestellt, mit 10 Helligkeitsstufen plus Automatikmodus. Auch bei hellem Licht blieb das Display jederzeit klar ablesbar: ein deutlicher Fortschritt gegenüber früheren RF-Gläsern

Ballistik und App-Integration

Die RF-Ferngläser lassen sich eigenständig nutzen, doch für die ballistische Programmierung ist die Verbindung via Bluetooth mit der Blaser Ballistics App erforderlich. Normalerweise bin ich gegenüber Bluetooth skeptisch, doch hier funktionierte die Kopplung sofort und ohne Probleme. Schon beim ersten Verbinden wurde mir ein Firmware-Update angeboten, das reibungslos installiert wurde.

Das Einrichten des ballistischen Profils erfolgt mit den üblichen Parametern: Mündungsgeschwindigkeit, ballistischer Koeffizient, Montagehöhe der Optik usw. Mein Testgerät kam ohne Anleitung, aber die Menüführung war intuitiv mit klaren Symbolen und einer logischen Struktur, sowohl auf dem internen Display als auch in der App. Ich richtete mein Profil während eines ruhigen Abends auf dem Hochsitz ein, stressfrei, was selten vorkommt.

Nach dem Übertragen des Profils ist die App nicht mehr nötig. Man kann direkt am Fernglas zwischen gespeicherten Profilen wechseln. Entfernungen werden auf eine Dezimalstelle genau angezeigt, die ballistische Korrektur erscheint wahlweise in MRAD*, MOA oder Klicks.

Die internen Sensoren, also Neigungsmesser, Barometer, Thermometer und Hygrometer, liefern bei jeder Messung die Umgebungsdaten. Nur der Wind bleibt eine Unbekannte. Ballistische Berechnungen sind bis 800 Meter aktiv; darüber hinaus wird nur die reine Entfernung angezeigt.

(*Hinweis: MRAD = Milliradiant, metrisches System; MOA = Minute of Angle, angelsächsisches System. Beide werden von Schützen und Jägern zur Schusskorrektur genutzt.)

Praxiserfahrung

Der Entfernungsmesser bietet drei Modi: Best, First und Last Target Priority. Alle arbeiteten in der Praxis zuverlässig, getestet auf Stahlziele bis 500 m. Der Laserstrahl ist eng gebündelt (geringe Beam Divergence), und das Absehen deckt die Messfläche präzise ab. Selbst Kaninchen konnte ich stabil erfassen, auch weit außerhalb der jagdlichen Reichweite. Rehe und Füchse waren natürlich kein Problem.

Das Bild zeigt einen ausgewogenen Farbkontrast und eine sehr natürliche Farbwiedergabe. Rehe blieben selbst im Schatten von Hecken klar erkennbar. Ein Beweis für die hohe Lichttransmission.

Optisch zeigt sich das Fernglas von seiner besten Seite: randscharfes, kontrastreiches Bild mit klarer Tiefenstaffelung. Das interne Display gehört zum Besten, was ich bisher gesehen habe – gestochen scharf, ohne störenden Rotstich, selbst bei hoher Helligkeit.

Fazit

Die 10x42-Version bietet theoretisch etwas mehr Dämmerungsleistung (Dämmerungszahl 20 statt 16), aber die Handlichkeit und Leichtigkeit des 8x32 überzeugen mich mehr. Die kompakte Bauweise, das geringe Gewicht und die beidhändige Bedienbarkeit machen es zu einem echten Vergnügen – besonders bei einhändiger Nutzung.

Mein Fazit: ein Fernglas, das ein visuell entspanntes, natürliches Bild liefert – als hätte man einfach bessere Augen.

 
 
Text & Fotos: Chris Parkin. Mit freundlicher Genehmigung von "Waidmannsheil". 
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